Liegebummler – Weltreise mit dem Liegerad

Works End – NZ´s Northland done

Unsere (Fahrrad-) Reise durch Neuseelands Nordinsel neigt sich dem Ende zu. Wir sitzen in einem Hostel in Wellington, natürlich – wie die letzten 4 Wochen durchgehend – in der Sonne. Wir haben super Dusel mit dem Wetter, auch die Neuseeländer sagen oft „rare“ wenn wir uns über das trockene Wetter freuen.
Sehr abwechslungsreiche und interessante 40 Tage liegen hinter uns. Die 1282 km auf der Nordinsel waren aber auch oft sehr anstrengend, weil mit über 13700 Höhenmetern in Summe verbunden. Äußerst selten ging es über 200m über Meereshöhe hinaus, was nicht den Begriff „Berg“ nicht verdient, und trotzdem geht es fast den ganzen Tag überaus hügelig – und Höhenmeterfressend – dahin. Der erste Gang ist bei Steigungen – häufig bei 10% – unser bester Freund geworden, gebremst wird bei den Abfahrten äußerst selten; der nächste Hügel kommt mit Garantie. Trotzdem hat sich bei Daniela´s Bremskopf eine Schraube gelöst, was die Vorderradbremse außer Gefecht gesetzt hatte. Dank der bisher so oft erlebten Hilfsbereitschaft der Neuseeländer war die Ersatzbeschaffung in einem urigen wir-haben-alles-Laden in Kaitaia aber kein Problem. Sonst machen die Räder keine Zicken, bis auf einen Kettenriss bei Daniela haben wir kein Verschleißproblem und auch noch keinen Platten gehabt.

Das Jahr 2015 begann genial: Einige Kilometer auf dem fast steinharten Sand des Ninty Mile Beaches bis Hukatere mit dem Fahrrad. Nur die Dünen rechts beschränkten den Blick: Vorne und hinten Sandstrand bis zum Horizont ohne jedes Zeichen von Zivilisation, links das Tasmanische Meer mit starker Brandung und offensichtlich ungesunden Strömungen. Leichter Rückenwind brachte uns schnell an einen weiteren Top Spot. Mitten im Nirgendwo namens Hukarere steht ein kleine Lodge (http://www.hukatere.com/) mit viel Wiese außen rum, aber vor allem direkt am scheinbar endlosen Ninty Mile Beach – sehr liebevoll und herzlich betrieben von einer seit zig Jahren hier lebenden Deutschen. Von ihr haben wir ein Stückchen einen Tag alten geräucherten Snapper (Fisch) bekommen, den wir mit einer Flasche Rotwein im Sonnenuntergang genossen – ach ja!

Wir ließen es uns hier zwei Tage richtig gut gehen, lagen stundenlang in den Dünen und am Strand bei den mal wieder maximal möglichen Sonnenstunden pro Tag. In den rund 5 Wochen hier haben wir rund einen Liter Sonnencreme auf uns verschmiert, dafür aber – toi toi toi – noch keinen nennenswerten Sonnenbrand bekommen. Nach der kurzen Erholung ging es über 10km staubtrockener Schotterpiste wieder zurück auf den Highway mit dem Ziel die Stadt Kerikeri.

In Kerikeri war ein Besuch unseres (Ex-) Arbeitsgebers BayWa bzw. der Tochtergesellschaft Turners & Growers geplant. Im Mailkontakt mit dem Standortleiter (Todd) staunten wir nicht schlecht, als uns dieser – wir kannten uns in keiner Weise – einfach zu sich nach Hause für Dinner und Übernachtung einlud. Nachdem uns Todd den Standort, wo vor allem die Kiwis (diesmal die Frucht) zu Hause sind, gezeigt hatte fuhren wir noch zu einigen Anbaufeldern der Kiwis, Avocados, Erdbeeren und Blaubeeren – so einen Einblick in professionelle Landwirtschaft bekommt man sonst nur schwierig. Todd´s Heim steht recht einsam am Buschrand. Als wir da ankamen lud uns er uns erst mal zu einer Runde zu einem „persönlichen“ Swimming Pool ein. Der „Pool“ stellte sich als natürlicher Fluss mit Wasserfall und ausgewaschenem Becken dar – natürlich mit Liane an Baum zum Tarzan spielen und nur paar Minuten vom Haus weg im Busch. Ein passendendes Beispiel dafür dass die Neuseeländer eine enge Bindung zum Wasser haben, egal ob Süß- oder Salzwasser – sie lieben es einfach und gehen mit einer ganz anderen Selbstverständlichkeit damit um. Todd geht entweder in diesen Pool oder Surfen vor/nach der Arbeit, wenn das mal nicht was hat! Nach reichhaltigen und äußert unterhaltsamen BBQ mit seiner Familie schliefen wir tatsächlich – festhalten – in einem Bett. Wir waren aber nicht traurig die nächste Nacht wieder auf unseren Therm-A-Rest-Matten zu schlafen, zu weich und ungewohnt ist uns ein Bett und auch Zimmer schon geworden.

Prall mit frischen Erdbeeren, Kiwis und Avocados gefüllten Packtaschen (Thanks @ T&G) ging unserer Reise weiter gen Süden zu der Region namens Bay of Island. Es muss ein Traum sein hier mit einem Segelboot an den zig Insel(chen) vorbei zu segeln. Mit dem Fahrrad war die Optik Richtung Meer genial, aber sonst doch sehr Touristisch. Nichts für unseren Geschmack! Nachdem noch ein Kreuzfahrtschiff in der Bucht anlegte und – gefühlte – tausende fette Touris an Land gespült wurden reichte es uns. Wir entschieden schon hier den Bus zurück nach Auckland zu nehmen. Dies war sowieso unser Plan weil der Highway #1 nach Auckland zurück extrem stark befahren ist und teilweise sehr kurvig und ohne Standstreifen. Zu oft haben wir uns schon an den Lenkern festgekrallt, wenn die hier so übergroßen LKWs knapp bei an uns vorbei gedonnert sind. Obwohl die meisten LKW-Fahrer wirklich Rücksicht nehmen, ist es sehr unangenehm bis schlicht gefährlich auf sehr kurvigen Highways ohne Standstreifen zu fahren.
Die Überlandbusse nehmen für 10 Dollar unsere Liegeräder problemlos mit, was wir nochmal ausnutzten, um von Auckland raus nach Tauranga den Bus nehmen. Das Zentrum von Auckland gaben wir uns einen Tag lang, der Eindruck war angenehm Multikulti, aber teilweise auch dekadent und sehr reich. So zählten wir alle großen bekannten Wirtschaftsprüfer-Tower, ein Prestige-Boot nach dem Anderen im riesigen Hafen und zig Luxus-Appartements. Städtereisen in Neuseeland kann man sich unserer Meinung – als Mitteleuropäer – eigentlich getrost sparen. Im Vergleich zu Mitteleuropa kann keine Stadt Neuseelands auch nur annähernd mithalten, weil alles schlicht zu jung ist.
Von Tauranga aus ging es direkt gen Süden solange bis wir wieder das Meer erreichten. Rotorua war unser erster Stopp – eine nach faulen Eier bzw. Schwefel stinkenden Stadt. Auf der Fahrt dorthin dachten wir zuerst, wir fahren an einer Müllhalde nach der Anderen vorbei. Grund ist die vulkanische Aktivität in dieser Gegend, öfters sahen wir Dampf aus kochenden Schlammquellen aufsteigen. Einfach so und überall. Dafür war das Baden im Lake Rotorua recht speziell. Erst war das Wasser unerwartet warm und sobald man die ersten 5-10cm Erdschicht am Grund entfernte, wurde es so richtig warm. Wir wurden das Gefühl nicht los, dass die ganze Region auf einem kochenden (Pulver-) Fass liegt. Womit wir vielleicht so ganz falsch nicht lagen, wenn man bedenkt dass unser nächster Stopp (Lake Taupo) eine unglaublich große Caldera ist. Das muss damals so richtig fett geknallt haben, dass selbst heute noch ein See darin mit 40 km x 28 km Platz hat, und die Landschaft inkl. aller Wasserläufe radikal verändert wurde.

Immer häufiger tauchten auch für uns Laien offensichtliche Vulkane am Horizont auf. Unter anderem auch der höchste Berg der Nordinsel „Mount Ruapehu“ mit vergletscherter Gipfelregion. Speziell war der Anblick: Vor zwei Tagen waren wir noch am Meer bei fast 30°C, nun stehen wir vor einem Berg mit Schnee im heißen Hochsommer – und das alles nur mit dem Fahrrad. Wir wollten näher dran! Nach Blick in die Karten lachte uns die sogenannte Desert Road an. Der über 1000m über dem Meer liegende höchste Punkt störte uns nur bedingt, wollten wir doch dort irgendwo wild nächtigen und so die Etappe kurz wählen. Das nahe Militär-/Sperr-Gebiet schränkte unsere potentiellen Schlafplätze ein, doch wir fanden den bisher genialsten Schlafplatz auf unserer Reise. Davor waren aber gut 800 Höhenmeter von Turangi zu meistern, die dank nur wenig steilem Highway – und unserem mittlerweile gutem Training – kein größeres Problem darstellte. Das Zelt bastelten wir in eine kleine (wohl sonst mit wassergefüllte) Senke, kochten uns noch schnell was, und standen dann einfach nur da und schauten. Endlich mal keine Zäune! Bis auf eine Straße und Hochspannungsleitung nichts zusehen was ablenkte. Am nächsten Morgen grandios wilde Stimmung in einer baumlosen und recht kargen Landschaft, auf den Bergen offensichtlich sehr viel Wind, flach geschliffene Wolken und für uns locker 20 km/h Rückenwind und 500hm über 20km einfach nur Bergab – Fahrradfahren kann sowas Geniales sein, und alle hochgequälten Meter vergessen lassen. Breitgrinsend genossen wir zusammen die Abfahrt.
Am Fuße des höchsten Berges der Nordinsel standen wir verhältnismäßig früh (07:30 Uhr) auf dem Campingplatz in Ohakune auf, geflasht vom gestrigen Tag. Vom wolkenlosen Himmel und angenehmer Frische motiviert radelten wir zum Wanganui River. Nach einigen Höhenmeter und 15km Abfahrt standen wir fast auf Meereshöhe, aber es waren noch über 80km bis zum Meer. Eigentlich wollten wir auch hier irgendwo wild unser Zelt aufschlagen, weil es sonst über 100km zu Fahren gewesen wären. Die kleine Straße entlang des Wanganui Rivers kann man getrost als Fahrradweg bezeichnen, vielleicht 15 Autos haben wir auf 80km gesehen. Es lief wie Schnürchen, mit guten Beinen zog die sehr abwechslungsreich hügelige Landschaft an uns vorbei. Immer weiter und weiter, an einen geeigneten Zeltplatz war leider wieder – wegen den den nun wieder immer gegenwärtigen Viehzäunen – nur bedingt zu denken. Also gut, dann halt Durchziehen diskutierten wir bei 90km und 1200hm auf dem Tacho. Da war er nun, der erste Tag wo wir beide gemerkt haben, dass wir ein anderes Fitness-Level erreicht hatten. Nach über 100km und nur noch 1h bis Sonnenuntergang bolzten wir mit knapp 30 km/h die letzten 24 km zum Supermarkt und Campingplatz. Zelt stand vor Sunset, Bartkartoffeln mit 700g Kartoffeln, zwei Brokkoli-Köpfen und 400g Käse – so muss das sein nach 124km und 1400hm.
Von Wanganui nahmen wir wieder den Bus um a) die größeren Städte zu meiden und b) endlich auf die Südinsel zu kommen. Wellington kam uns als sehr überschaubare und lebensfrohe Stadt rüber. Viele Künstler(-Läden) und alternative Leute tummelten sich hier. Wir besorgen vorsorglich noch paar Kettenbolzen und Kettenschlösser, und freuten uns einfach schon sehr auf die Südinsel, mit deutlich weniger Einwohnern und Autos und – hopefully – weiterhin 1a trockenes und windarmes Sommerwetter.

6 Kommentare zu “Works End – NZ´s Northland done

  1. Heidi&Wolfi

    Whow….traumhafte Bilder!!!!!!! Bin total geflasht -um es mit Stephans Worten auszudrücken-ihr seid wirklich im Paradies!
    Danke dass ihr uns an eurem Glück teilhaben lasst. Freuen uns über jedes Foto und über eure interssanten Reiseberichte.
    Weiterhin gute Fahrt und starke Beine, Rückenwind und Sonnenschein 🙂
    Ganz liebe Grüße
    Heidi&Wolfi

  2. Jens Tippner

    Hallo Ihr Beiden,
    zunächst erst einmal viele Grüße von den Mitarbeitern der RI-Solution Auerbach.
    Ich verfolge Eure Reise schon von Anfang an mit großen Interesse. Vor 5 Jahren
    durchquerte ich mit meiner Familie beide Inseln Neuselands, allerdings ein
    klein wenig komfortabler – mit Wohnmobil 🙂
    Auch wir durften die herzliche und natürliche Freundlichkeit der Menschen dort
    erleben und waren von der beeindruckenden Natur überwältigt. Wenn auch ihr
    Euch für einsame Landstriche, rauhe Küsten und außergewöhnliche Naturschauspiele
    begeistern könnt, wird Euch die Südinsel faszinieren. Hier warten traumhafte
    schöne Sandstrände im Abel Tasman Nationalpark und die rauhe Westküste mit seinen
    Gletschern und den Südlichen Alpen auf einen Besuch. In Hokitika gibt es ein Kiwihaus
    (im Zentrum), wo ihr mal ein paar lebende Wappentiere aus der Nähe betrachten könnt. Auch am Lake Tekapo und Lake Pukaki solltet ihr mal vorbeischauen. Eingebettet in eine
    tolle Bergwelt, haben die beiden Seen eine Wasserfarbe (besonders bei Sonnenschein),
    die es vermutlich nur hier gibt. Genießt die tolle Reise – ich werde sie auf jeden Fall weiter verfolgen. Viele Grüße Jens

  3. Todd Jackson

    Hi Stephan und Daniela – pleased to read your trip is still going well. The English translation of your blog is pretty good!

    Sarah & I enjoyed your stay so much that we invited a Belgian hitchhiker to stay with us also. We like to think we are „paying it forward“ for all the hospitality we received in Europe, Africa and Asia.

    Keep well and travel safe.

    Regards,
    Todd.

  4. Birthe

    Hallo Ihr 2 –
    nach Schwierigkeiten mit dem alten Browser kann ich endlich auch kommentieren(!) :
    traumhafte Bilder (wie schon beim letzten Mal…) und sooo weit weg von unserem Alltag hier : beneide Euch!!! Liebe Grüße, Birthe

  5. Birthe

    Puh – ich hoffe, dass es nach vielen Versuchen (….) endlich mal klappt, erfolgreich eine verständliche Antwort abzugeben!!! Lag wohl an meinem Computer (sagt Moritz) und ich hoffe, dass es nicht Vielen so geht wie mir!
    Also : Herrliche Fotos, sicher unglaubliche Erlebnisse und unbezahlbare Erinnerungen –
    wir beneiden Euch!! Und schön, dass Euer Mut belohnt wird!!!
    Frag´mich nur, wie Ihr in das „normale“ Leben zurückfinden sollt……..
    Liebe Grüße aus Karlsruhe

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