Liegebummler – Weltreise mit dem Liegerad

Australien – Melbourne & Great Ocean Road

Fliegen mit Fahrrädern im Gepäck bleibt auch in Australien spannend. Zuerst kam im Christchurch statt einem Großraumtaxi eine kleine Limousine um uns zum Flughafen zu bringen. Nach gut 30 Minuten später kam ein zweites Taxi, wiederum nur eine kleine Limousine – beide Fahrer genervt über ihren Distributor. Aber die neuseeländischen Taxifahrer nahmen es dann mit Humor, blieb eben der Kofferraum offen und wir fuhren mit 2 Taxis zum Flughafen – zum Preis für Einem natürlich. Mit einer Stunde Verspätung kamen wir am Flughafen an, aber wir hatten mit weiser Vorahnung mehr als genug Zeitpuffer einkalkuliert. Am Schalter dann der nervöse Blick auf die Digitalanzeige der Waage, nachdem das Gepäck möglichst schräg/verkantet auf das Band gehievt wurde. Wir hatten am Campingplatz keine Waage und so schauten wir uns Beide irritiert an, als die Gesamtsumme rund 90 kg entsprach. Wir hatten für 80 kg bezahlt, aber die Frau am Schalter tat so, als ob sie das Gewicht nicht interessieren würde – was sie aber nicht daran hinderte, einen „Heavy – more than 26 kg“ Aufkleber anzubringen. Glück gehabt und/oder danke Jetstar. Kurz vor Mitternacht waren wir dann in Australien durch alle Kontrollen durch, hatten den Stempel im Reisepass (nach viermaliger Kontrolle durch vier verschiedene Beamte, warum auch immer) und suchten uns diesmal ein großes Taxi am Flughafen Melbourne selbst aus.
Bummelnd liefen wir einen ganzen Tag durch Melbourne. Wenn wir drei Wörter zur Beschreibung der Metropole Melbourne wählen müssten: Multikulturell, bunt und groß. In der zweitgrößten Stadt Australiens schlenderten wir durch überdimensionale Einkaufspassagen, kilometerlange Essmeilen und Wolkenkratzern neben alten historischen Gebäuden. Ein Tag später holte uns Paul, ein Mitarbeiter von delica (ebenfalls eine Tochter des BayWa-Konzerns) vom Campingplatz ab. Wir erlebten mal wieder große Gastfreundschaft und auch Hilfe bei unserem Problem: Stephan fuhr immer noch mit nur 8 Gängen wegen der defekten Nabe. Paul, auch ein begeisterter Radler, fuhr uns zu „seinem“ Fahrradladen und hier spielte mal wieder der Zufall verrückt: Keine zwei Wochen vorher hatten wir in Neuseeland einen australischen Extrem-Tourenradler (über 100.000 km, Wüstendurchqueren etc.) getroffen, der uns die Telefonnummer von einem Simon gab, der sich mit SRAM (Hersteller der Nabe) auskennen sollte und in Melbourne wohnt. In genau diesem Fahrradladen stand nun dieser Simon, wo er einen Routine-Besuch abstattete, weil er der SRAM-Händler für Australien in Person ist. Ein Wahnsinn! Die absolute Krönung folgte aber keine Woche später, als wir die Nachricht erhielten, dass die Nabe repariert in einem Fahrradladen in Darwin zur Abholung bereit liegt. Jetzt müssen wir noch die über 4000 km nach Darwin fahren. Aber eins nach dem Anderen.

Melbourne beschreibt sich selbst als Fahrradstadt, was wir insofern bestätigen können, dass wir aus der Stadt raus fast komplett auf Fahrradwegen fuhren konnten. Der gut ausgebaut Weg führte uns stundenlang durch den riesigen Industriegürtel rund um Melbourne. Australien ist zwar sehr groß, aber auch sehr einseitig besiedelt – allein in Melbournes Umgebung wohnen rund 10% aller Australier. Abrupt wurde es dann aber einsam und die Weiten Australiens lächelten uns ein erstes Mal an. Bevor es aber so richtig einsam wird, stand noch die Strecke namens Great Ocean Road auf dem Programm. Eine mehrere 100 km lange Küstenstraße, die als eine Art Weltkriegsdenkmal dient. Die Strecke ist ähnlich wie Neuseeland schön hügelig, mit tollen Ausblicken auf das wilde Meer mit goldenen Sandstränden. In der Nebensaison war hier nicht mehr viel bis nichts mehr los, auch der Verkehr hielt sich in Grenzen. Ein Campingplatz nach dem anderen ließ aber erahnen, was hier im Sommern abgeht. Auch die berühmten 12 Apostel liegen an dieser Touristenstraße, nett anzuschauen sind diese Türme im Meer auf jeden Fall. Ansonsten haben wir schon Bekanntschaft mit Australiens Vogelwelt gemacht, von morgens bis Abend piept und schreit es von überall. Ein paar Schönlinge sind auch dabei, oft aber auch Rabenarten. Einige wilde Koala Bären konnten wir auch schon in den immerwährenden Eukalyptusbäumen bestaunen, solch ein putziges und tiefenentspanntes Tier! Kängurus haben wir bisher nur wenig lebende gesehen. Was die überfahrenen und in allen Verwesungszuständen vorkommenden Opossums in Neuseeland sind, sind hier wohl leider die Kängurus. Dank häufigem Gegenwind riechen wir die toten Tiere meist bevor wir sie sehen – leicht ekelhaft.

Auch weniger angenehm war das Wetter. Wir froren. Kein Witz, wir froren bisher in Australien regelmäßig. Auf den ersten 600 km in Australien hatten wir selten über 20 °C, oft vielen Wolken mit paar Schauern und ein immer wehender kalter Wind. Da waren wir aus Neuseeland ein ganz anderes Wetter gewöhnt und sind wohl ziemlich verweichlicht. Aber wir sind hier im Herbst und dies mit voller Absicht – so sollte uns Australien nicht mehr allzu lang frieren lassen, je weiter wir in den Norden kommen.
Auf dem Campingplatz in Beachport trafen wir Martin und Agnès (www.woistdasflickzeug.de), ein deutsches Radelpaar aus Deutschland, die von dort nach Asien gefahren sind. Hier in Australien neigt sich die fast zwei Jahre lange Tour ihrem Finale zu. Zusammen hatten wir einen sehr unterhaltsamen und informativen Abend – wir können noch viel lernen, noch so viel erleben und freuen uns drauf!

Ein Kommentar zu “Australien – Melbourne & Great Ocean Road

  1. Frieder

    Da hab ich echt ein richtig interessantes „Buch“ angefangen – und einige Seiten kommen ja noch!
    Die 444 nach Adelaide waren ja wohl ein klacks für Euch,auch mit 8 Gängen!
    Bei Eurem aktuellen Standort ist die Auflösung der SatellitenAufnahme beeindruckend hoch. Der Spielplatz direkt am Meer. Fehlt nur noch Euch Winken zu sehen ☺
    Viel Spaß mit der neuen Sram und Good Luck weiterhin!

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