Liegebummler – Weltreise mit dem Liegerad

Australien – Endlich Outback!

Mit dem Fahrrad durchs Outback? „You´re totally mad!“ war und ist eine häufige Reaktion auf unsere Fahrräder, wenn uns die Australier ansprechen, und wir – langsam schon fast schlafwandlerisch – die üblichen Fragen beantworten. Angst hatten und haben wir keine, aber eine gehörige Portion Respekt und zumindest subjektiv eine gute Vorbereitung. Die großen Fragen für uns drehen sich um Wasser, Essen, Temperatur, Wind und Straßenzustand. Wir haben uns lange gefragt wo eigentlich das Outback so richtig anfängt, wir wissen jetzt wo bzw. wo spätestens – dazu aber später mehr.

Von Beachport ging es für uns und unsere Fahrräder endlich direkt nach Norden, solange bis irgendwann der Kontinent in Darwin zu Ende ist. Bis nach Adelaide zog es sich etwas, die Strecke war nicht mehr ganz so abwechslungsreich wie an der Great Ocean Road. Zudem war es weiterhin recht frisch und der Wind nicht immer unser Freund, der Verkehr dafür nur noch minimal. Wie soll das erst werden, wenn das ernst zunehmende Dorf/Supermarkt mal nicht nur 150 km weg ist, sondern 600 km? Zwischen Kingston SE und Meningie im Coorong Nationalpark standen wir abends passenderweise vor unserem ersten Roadhouse; Roadhouses sollen bald unsere einzige Art von menschlicher Zivilisation werden. Jede Woche zog in dieser Zeit eine neue Kaltfront über uns hinweg, was zu tollen Stimmungen führte, uns aber weiterhin eher frösteln als schwitzen ließ. Da wir aber immer weiter nach Norden kamen, und es somit tendenziell wärmer ist, war es kein frieren mehr. Entlang endlos langer Lagunen mit reicher Tierwelt, wie z.B. Pelikanen, ging es flott weil total flach voran. So näherten wir uns dann doch zügig unserer letzten Großstadt: Adelaide. Davor kam aber noch eine ordentliche Hügelkette nach Strathalbyn und prompt wurde es hier sonnig und warm – jipiee, endlich wieder schwitzen! Auch tauchten hier die ersten Weinberge auf, sonst dominierten bisher die Rinderweiden. Auf einem der in Australien vielen freien „Campingplätzen“ (Toilette und meistens Regenwassertank) waren wir mal wieder nicht allein. Die Grey Nomads, die Australischen Rentner auf Endlostour (sozusagen der „Highway to Hell“?) durch ihr Land, sind überall. Ein seit 30 Jahren ausgewandertes Pärchen redete uns auf derbsten Pfälzerisch an, erzählte uns dass es heute Gugelhupf zum Kaffee gab – manche Dinge ändern sich wohl nie, egal wo man ist und wie lange. Bei uns gab es den gewohnten Berg Gemüse mit einer Packung Nudeln. Auch lecker, Pasta! Lecker fand unsere Soße auch ein Opossum, was nachts um das Zelt schlich. Von der Tierwelt haben wir bisher nur die freundliche Seite gesehen, kein einzige gefährliche Art, obwohl wir immer draußen sind und zelten. Es drängt sich immer mehr auf, dass alle Menschen mehr Panik vor der Tierwelt Australiens haben als die Australier selbst. Es gibt eben paar Dinge die man lieber lässt, so wie z.B. in Schuhe reinschlupfen ohne reinzuschauen, ob sich in der Nacht irgendwas unerlaubt eingenistet hat, oder nachts nur mit Stirnlampe zum Pinkeln, um zu sehen was man platt tritt und was ggf. etwas dagegen haben könnte.

Südlich vom Zentrums Adelaide schlugen wir unser Zelt auf, um hier einen Ruhetag einzulegen. Adelaide nutzten wir vor allem für Besorgungen, wie z.B. uns mit einen Ersatz Hinterrad-Mantel einzudecken, da es die nächsten 3500 km wohl keine fünf Fahrradläden mehr gibt. Adelaide hatte für uns lange nicht den Charme wie Melbourne. Einfach eine große, oft gleich aussehende Stadt mit vielen Menschen und noch viel mehr Verkehr. Da sich Großstädte und vollgepackte Liegeräder nicht so gut vertragen, weil wir dann doch eher tief liegen im Vergleich zu den Autos, nahmen wir gerne das Zugticket einmal quer durch die Stadt nach Gawler zum konkurrenzlos günstigen Preis: Für die rund 70 km waren 7 Dollar für uns Beide fällig, Fahrräder außerhalb der Rushhour generell kostenlos – und trotzdem so viele Autos, schade eigentlich.

Von Gawler ging es weiter gen Norden in eine (die?) Kornkammer. Über einige 100 km sahen wir links wie rechts bis zum Horizont nichts außer abgeerntete Weizenfelder. Hier wird Landwirtschaft in für uns unbekannten Ausmaß betrieben. Auf dorfgroßen Lagerflächen lagen die Getreideberge und wir waren froh hier nicht zur Erntezeit gewesen zu sein. Mähdrescher und LKWs ohne Ende hätten uns sicher geärgert. Es wurde langsam aber sicher auch deutlich trockener, was hier zum Anbau von sehr gutem Wein (Clare Valley) genutzt wird. Von Korn zum Wein also, letzteres haben wir uns einige Male schmecken lassen. Auf ehemaligen Bahnlinien fuhren wir einige Dutzend Kilometer auf Fahrradwegen, einer sehr große Seltenheit in Australien. Woran erkennt man einen Radweg an Australien? Richtig, es gibt Wasserstellen für durstige Radler in Form von großen Wasserfässern am Radlweg – und diese waren sogar gefüllt. Ansonsten waren diese Fahrtage schon von etwas von Monotonie geprägt, wir schnuppern etwas Outback – dachten wir uns teilweise. Wir hatten dafür genügend Zeit um uns zu überlegen, wie die Route Richtung Norden weiter gehen sollte. Und noch viel wichtiger: Was wir wo noch einkaufen können bzw. müssen.
Wir hatten einiges (alles?) über den Oodnadatta Track gelesen, eine über 600 km lange Schotterpiste mit fast null Population. In Quorn, dem letzten größeren Dorf und sicheren Supermarkt, entschieden wir uns vorerst nicht via Highway und Port Augusta nach Norden zu fahren, sondern mal wieder etwas Abenteuer einzulegen. Mit schon gut gefüllten Taschen fuhren wir dann entlang der Flinders Range, einer sehr fotogenen Hügelkette, genau nach Norden – angepeitscht von der nächsten Kaltfront und einem 40er Rückenwind. Da flutschten 90km in unter vier Stunden dahin, so schnell bekommen wir unsere schweren Rädern sonst nie von A nach B. Jeden Kilometer wurde es noch einsamer und trockener, dafür aber menschenleere Gebiete und Stunden auf der Straße. Die Ruhe und Einsamkeit genossen wir beide! Nicht weit von der Straße standen immer wieder kleine Gruppen von Emus, die ulkig mit ihrem „Rock“ wedelten, wenn sie mit hoher Geschwindigkeit wegrannen – Liegeräder sind hier wohl noch nicht so viele vorbei gekommen. Bei Parachilna überholte uns der längste Zug der Welt, in Form des Kohlezuges der zwischen der Kohlemine bei Leigh Creek und den Kraftwerk(en) nahe Port Augusta pendelt. Beeindruckende 190 Waggons zählten wir, die jeden Tag verbrannt werden müssen, damit rund 25% der Stromversorgung von South Australia gedeckt ist.
Leigh Creek entpuppte sich als perfekte letzte Station um einen Ruhetag einzulegen und den gut sortierten Supermarkt der Kohlestadt zu plündern. Jedes Gebäude der Siedlung ist keine 30 Jahre alt, weil die Stadt wegen Vergrößerung der Miene umgesiedelt wurde. Wir ruhten uns einen Tag lang aus und verpackten die 17 kg (!!) Nahrungsmittel für die nächsten 10 Tage (!!) auf unseren Rädern. Wir rechneten mit hohem Energiebedarf, weil nach Leigh Creek der Schotter und der Oodnadatta Track nicht mehr weit war – und damit auch der Rollwiderstand exorbitant hoch. Zudem liegen auf dem Track nur alle rund 200km entfernte Roadhouses, wo man einmal gar nicht und im Anderen nur extrem überteuert einkaufen kann. Dazwischen lag das von uns erwartete Abenteuer!

Unsere Einkaufsliste:
2,5 kg Müsli
1 kg Milchpulver
0,5 kg Kokos Chips
0,4 kg Nutella
0,6 kg Eier (12 Stück)
24 Müsliriegel (je 55 g)
0,2 kg getrocknete Äpfel
0,5 kg Datteln
1,0 kg Käse
1,0 kg Karotten
1,0 kg Thunfisch
0,75 kg Pesto
0,5 kg Tomatensoße
1,0 kg Reis
2,5 kg Nudeln
0,8 kg Schoki
0,35 kg Kekse
18 Snickers (je 18 g)
0,5 kg getrocknete Erbsen
0,250 ml Zitronensaft
2,0 kg Mehl

Das viele Mehl mit beigemischtem Backpulver deshalb, weil dass die für uns perfekte Lösung für „Brot“ ist. Selfmade auf unserem Benzinkocher (Primus Omnifuel) – funktioniert super! Haben wir uns von Martin und Agnes´ (ebenso Tourenradler) abgeschaut.

Von Leigh Creek ging es weiter direkt nach Norden und der Schotter begann 50 km vor Marree – der letzten Siedlung für zig 100 Kilometer für uns. Auf halber Strecke dorthin schliefen wir an einer verfallenen Siedlung namens Farina aus dem frühen 19. Jahrhundert. Einige Infotafeln beschrieben das sehr harte Leben der ersten Europäer hier. In einem ausgetrockneten Creek (Flussbett) lag hier ein herrlicher Platz zum Campen, mit sogar warmer Dusche, wenn man den Ofen angemacht hätte. Das Wasser war ohne Feuer machen angenehm warm, und der Sonnenuntergang im Busch mild. Nach Marree war es dann nicht mehr weit, aber der Schotter bremste uns schon merklich ab. In Marree kauften wir uns dann zu unseren 17 kg Nahrungsmittel nochmals fast 35 kg Wasser dazu – man gönnt sich ja sonst nichts. Die Folgetage sollten über 30°C heiß werden und wir gingen mit dieser Wassermenge auf Nummer sicher, auf unserem ersten Outback-Track mit dem nächsten Regenfass (mit Fragezeichen) in über 150 km Entfernung und dazwischen nichts. Und dieses „Nichts“ kann man hier tatsächlich wörtlich nehmen. Am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang ging es dann endgültig los, voller Vorfreude und Respekt holperten wir dahin – dorthin wo man spätestens jetzt die Gegend Outback nennen kann.
Der Oodnadatta Track ist historisch sehr bedeutsam gewesen und bietet Landschaftlich unerwartet viel Abwechslung und Interessantes. Dies liegt vor allem am größten Unterirdischen See der Erde und das in der trockensten Gegend des ganzen Kontinents. An einigen Stellen drückt es dieses Wasser durch die Felsen bis an die Oberfläche, und so konnte sich hier Leben entwickeln, wo sonst nur die Lebensfeindliche extreme Hitze und Trockenheit im Sommer herrscht. Das hier Wasser ist wussten die Aborigines schon seit tausenden Jahren und nutzen den Track als Handelsroute zwischen den verschiedenen Stämmen. Der Europäer namens John McDouall Stuart nutzte genau diese Route um die erste Telegrafen- und Eisenbahnlinie zwischen dem Süden und Norden Australiens zu planen/bauen. Von dieser Zeit sind noch viele Überreste zu bestaunen, weil sich die Route später als zu anfällig für Überschwemmungen zeigte, und eine bessere (heutige) Route für die Bahnlinie und Stuart Highway gebaut wurde. Als weiteres Highlight liegt hier der größte Salzsee (Lake Eyre) der Erde, der nur wenige Male im Jahrhundert mit Wasser gefüllt ist. Dieser See hat ein Einzugsgebiet von halb Mitteleuropa und war mangels Wasser bei uns weiß. Zudem liegt hier gleichzeitig der tiefste Punkt Australiens mit 16 Meter unter (!) Meereshöhe.
Nach fast 80 km und immerhin rund 10 Allradfahrzeugen und soweit gut fahrbarer Schotter schlugen wir hinter ein paar Bäume im Busch unser Zelt auf. Es war heiß und schwül, wir lagen erstmal noch über eine Stunde einfach nur im Schatten und tranken unser Wasser. Hört sich entspannt an? War es aber nicht wirklich weil jede sandige Passage, jeder sehr grobe Schotter, jede Steigung hört mal wieder auf – aber die Buschfliegen nicht einen extrem zu nerven! Nicht solange es dunkel wird jedenfalls. Auf den nächsten über 600 km wurde unser Netzhut ein fast ständiger, top modisches Accessoires, oft auch während des Fahrens. DANKE an Fa. Brettschneider (www.brettschneider.de) für dieses hier wirklich überlebenswichtige Utensils. Ohne diese Hüte wären wir spätestens am zweiten Schottertag ernsthaft verzweifelt. Die Buschfliegen sehen aus wie unsere normalen Hausfliegen, sind aber extrem scharf auf menschliche Ausdünstungen jeder Art. In Ohren, Nase, Mund oder Augen fliegen/kriechen sich regelrecht rein, weil überall etwas Feuchtigkeit/Schweiß mit denen von den Fliegen so ersehnten Mineralien zu finden ist. Selbst beim Pinkeln wird man nicht in Ruhe gelassen. Und die Viecher sind nicht doof und ausreichend flink – und sie kommen immer in Massen. Oft saßen Hunderte der Buschfliegen an uns! Wir erlebten Mittagspausen wo wir uns das Essen schnell unter den Netzhut schoben, um nicht 20 Fliegen auf dem Brot zu haben. Fast schon eklig wurde es, als wir einen in Salzwasser eingelegten Thunfisch aßen bzw. es versuchten. Das Salz in der Flüssigkeit machte die Buschfliegen total willenlos, sie flogen erst weg wenn man sie berührte. Abartig! Lösung: Der eine wedelte wie wild über der Blechdose hin und her, der Andere schaufelte sich so schnell wie möglich den Thunfisch ohne Fliegen in den Mund. Nun aber genug Zeilen über diese Plage verloren, Sandflies in Neuseeland sind übrigens ein Witz dagegen – vor denen kann man wenigstens wegfahren. Buschfliegen verfolgen dich auf dem Fahrrad, egal ob du 10 oder 35 km/h fährst.

Die erste Nacht im Busch war herrlich. Absolute Stille und toller Sternenhimmel. Am Folgetag ging es wieder sehr früh los, um möglichst weit zu kommen, bevor es nach der Mittagszeit wieder so warm wurde. Der Schotter erwies sich als fast immer fahrbar, nur sehr wenige zu sandige Passagen zwangen zum Schieben. Oft mussten wir aber mit sehr viel Kraft treten um die weichen Stellen zu überwinden. Wir hatten mit unseren 1,75“ breiten Mänteln nicht die beste Bereifung für diesen Untergrund, zudem waren unsere Fahrräder rund 60 kg schwer. Aber der Lust und Wille war ungebrochen und wir erreichten planmäßig Coward Springs, ein der Stellen wo das Wasser mitten in der trockenen (Halb-) Wüste aus dem Boden kommt, und eine Art Feuchtgebiet produziert. Wasser ist aber nicht gleich Wasser mussten wir schnell lernen. Da das Wasser aus der Tiefe kommt und über viele Gesteinsschichten nach oben gepresst wird, sammeln sich viele Mineralien (vor allem Salze) an. Absolut untrinkbar, jedes Meer ist weniger salziger dagegen. Ein Buschmann wie aus dem Bilderbuch hat an der Quelle einen Platz zum Campen mit einem Hot-Pool (das Wasser was hier aus der Erde kommt hat fast 30 °C) errichtet. Chillen im Pool nach vielen Stunden auf dem Fahrrad und im Staub war herrlich. Trinkwasser gab es zum Glück dann auch aus einem Regenfass. Regenwasser ist im Übrigen mit das beste Wasser was man im Outback finden kann. Weil um einem rum 1000 km einfach nichts ist, was die Luft verschmutzt, ist das Regenwasser sehr sauber – Problem dabei: In Cowards Springs regnet es im Jahr kaum mehr als 100 mm.
Der nächste Tag nach William Creek, mit dem ersten Roadhouse, war wohl das Härteste was wir bisher erlebt haben. Nur knapp unter 40 °C, Gegenwind und eine sehr raue Piste mit häufigen Sandpassagen war von vorne bis hinten ein knallharter Tag. Mit einem Durchschnitt von nur 13 km/h strampelten wir oft am Anschlag, schoben im Sand, mussten wegen starkem Wellblech sogar bremsen und tranken Wasser ohne Ende und ließen uns von den Buschfliegen den Schweiß abschlecken – rund 77 km weit. Trotzdem behielten wir beide einen kühlen Kopf und motivierten uns Gegenseitig. Als dann Williams Creek nach vielen Stunden endlich auftauchte, stürmten wir direkt in den Pub, kauften eine eiskalte Cola und umarmten uns – geschafft und prost, zisch und weg. Drei Tage vor William Creek hatten wir das letzte Mal das Wetter gecheckt, und es wurde starker Regen vorhergesagt – für die zwei Folgetage nach unser Ankunft in William Creek. Von anderen Radlern haben wir Berichte und Bilder gesehen, die uns schaudern ließen darüber, was mit dem Track passiert, wenn es regnet. Der dann knöcheltiefe Matsch ist für Fahrräder unfahrbar, und die ggf. über viele Tage gesperrte Straßen lassen dann auch keine Hilfe durch 4WDs erwarten. Also machten wir es uns gemütlich im William Creek, soweit wie das eben ging. Unter eine Blechhütte verbrachten wir den nächsten Tag bei 37°C und sehr hoher Luftfeuchtigkeit, und tatsächlich gewitterte es abends leicht und einige Tropfen fielen – aber nichts Wildes. Es kühlte am nächsten Tag deutlich ab und eine Roadhouse-Mitarbeiterin druckte uns freundlicher Weise den aktuellen Wetterbericht aus (Öffentliches Internet und Telefon gibt es hier nicht). Der Starkregen tobte sich östlich von uns aus, unser Weg ging nach Nordwesen – also alles gut also.
Am nächsten Morgen starteten wir wieder sehr früh auf die nächsten 200 km bis zum nächsten Roadhouse in der Ortschaft Oodnadatta. Es hatte kaum mehr als 20°C, die letzte Kaltfront war ein Segen für uns. Der Regen war minimal, trotzdem mussten wir auf den ersten 20 km einige Male gezwungenermaßen anhalten, weil die Schutzbleche durch das feuchte Schlamm-Sand-Gemisch fast komplett blockierten. Für Fahrräder ist der Track definitiv eine üble Falle, wenn mehr als 5 mm Regen fällt – und die „Straße“ nach schon 10 mm für jeden Verkehr gesperrt wird.
Die Landschaft hier ist absolut sehenswert und in keiner Weise so eintönig, wie man sich das vorstellt. Viele kleine Hügel mit genialer Aussicht, Trockenheit pur, dann wieder grüne Oasen mit großen Bäumen, Überreste von der Eisenbahnlinie die hier bis in die späten 80er Jahre fuhr, verlassende und verfallene Häuser und „Bahnhöfe“ machen den Scharm des Tracks aus – weswegen wir ja auch hier waren. Wir campten irgendwo im nirgendwo wo wir uns wohl fühlten, meistens in Creeks weil hier der Boden steinfrei und flach ist. Das war für uns schon ein spezielles Gefühl hier zu übernachten, mit dem Wissen, dass über mindestens 100 km um uns herum kein anderer Mensch ist. Am nächsten Nachmittag steuerten wir die größte Eisenbahnbrücke an, wo angeblich auch ein größeres  Wasserloch sein soll – bisher war jedes Wasserloch jedoch miniklein und weiß vor Salzen. Angekommen standen wir sprachlos vor einem sicher einem Kilometer langen, und rund 50m breitem Wasserloch und sogar ohne Salzränder – mitten in dieser extrem trockenen Gegend! Wir rissen uns die voll geschwitzten Kleider vom Leib und hüpften sofort ins Wasser. Freudestrahlend plantschen wir hier etwas und wuschen uns auch etwas. Das nächste unerwartete Highlight folgte am gleichen Abend, wo wir unter der alten Stahlbrücke unser Zelt aufgeschlagen hatten, in Form von einem Kölner Pärchen was nach uns an dem Platz ankam, und uns jeweils zwei Bier ausgab – ein Danke nochmals falls ihr das lest, und auch danke für das Wasser.
Am letzten Tag vor Oodnadatta hatten wir langsam unseren Rhythmus für den Track gefunden, sicher und immer entspannter fuhren wir den Track mit unseren Liegerädern, dessen Beschaffenheit häufig zwischen allen Formen von Teerartig über Schotter und Sand wechselte. Natürlich immer gepaart mit Wellblech das alles nur so wackelt. Das Roadhouse in Oodnadatta ist komplett pink angemalt, innen wie außen – ein spezieller Fabel, aber auf jeden Fall einzigartig. Und es gab für uns einen kleinen Shop mit frischen Nahrungsmitteln. Durch die zwei Ruhetage in William Creek waren unsere Vorräte fast komplett weg. In Oodnadatta leben vorwiegend Aborigines (viel ist relativ, das Dorf hat keine 20 Häuser) und der erste Eindruck war jämmerlich. Viele zerfallene Häuser, Schrott in jedem Garten und außer dem Roadhouse und einem Kinderspielplatz praktisch nichts – so entwickelt sich das also, wenn sich westliche Kultur im „Nichts“ breitmacht. Wir gönnten uns keinen Ruhetag hier, vor allem aber weil der Wetterbericht Rückenwind für die nächsten drei Tage vorhersagte. Bingo und endlich! Unsere Motivation kannte an Folgetag keine Grenzen, über 100 km holperten wir durch den Schotter Richtung Zivilisation und Highway – es waren ja „nur“ noch 212 km, weswegen wir nun auch mit 40 Liter (40 kg !!!) Wasser von Oodnadatta losfuhren. Ein über 1,5m langer Goana (Waran) ließ Daniela kurz aufschreien, er sonnte sich aber genüsslich weiter und bewegte sich keinen Millimeter vom Wegrand weg. Dann wurde plötzlich wurde das Gesumme der Buschfliegen durch ein lautes Getöse übertüncht. Das konnte nur ein Roadtrain sein und der Track war sehr schmal. Sofort fuhren wir an den Wegrand, legten unsere Fahrräder hin und gingen paar Meter in die Büsche. War dann auch besser so, es kamen drei Roadtrains hintereinander, die hier mit ein oder zwei großen Anhängern mit sicher über 80 km/h die Piste (mit Sand, tiefen Spurrillen und 10cm Wellblech!) entlang donnern. Denen stellt sich so rein gar nichts in den Weg, und wenn wird es unbemerkt geplättet. Die Fahrer sahen uns aber gut, fuhren möglichst weit von unseren Ränder weg und winkten freundlich. Wir waren wohl eine willkommene Abwechslung für sie, so viele Fahrräder haben sie sicher auf dieser Strecke noch nicht gesehen. Nur noch 45km vor Marla, dem Highway und Roadhouse, schliefen wir ein letztes Mal im Busch. Der finale Tag auf dem Oodnadatta-Track war merkwürdig für uns Beide, wir hatten uns schon an das raue Fahren gewöhnt, und erst Recht an die Einsamkeit – zwischen 3 und 15 Autos sahen wir am Tag, sonst keinen anderen Mensch. Im Roadhouse in Marla waren wir die erste Stunde mit den vielen Menschen, Geräuschen und Eindrücken tatsächlich kurzzeitig überfordert. Mit einem wohl verdienten „Hamburger with the lot“ resümierten wir unseren fast 700 km langen Outback-Track, gepaart mit über 2000 Höhenmetern: Sehr beeindruckende, einzigartige und abwechslungsreiche Landschaft, brutal harte Tage, mentale Stärke ist der Schlüssel für körperliche Höchstleistung, ohne Wasser kein Leben, uns reichen 500 g Nudeln nicht mehr um satt zu werden, die überwältigende Freude das der Plan aufging und man alles zusammen geschafft hat, der Kuss auf den Teer nach 9 Tagen auf Schotter.

 

Ein Kommentar zu “Australien – Endlich Outback!

  1. Frieder

    Wahnsinn! Unglaublich! Ich kann die Australier wirklich gut verstehen, die denken müssen, dass Ihr nicht ganz … na ja, Ihr wisst schon. Aus der GoogleEarth Perspektive ist das endlose Geradeaus einfach unfassbar. Ich kann mich gut an das herrliche Gefühl erinnern, als mal in Nevada nach über 100 Meilen endlich eine zarte Richtungsänderung kam – mit dem Auto aber. Klimatisiert! Und ohne Buschfliegen. Igittigitt!! Also es ist wirklich Einiges, das man nur aushalten kann, wenn man es wirklich WILL! Chapeau!… und weiter gute Fahrt wünscht Euch Frieder

    Danke auch für die tollen Fotos!

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