Liegebummler – Weltreise mit dem Liegerad

Australien – ab durch die Mitte in 5200 km

Australien ist durchquert – mit dem Fahrrad! Über 5200 km vom Süden, ab durch die Mitte bis in den Norden des Kontinents ging unsere Reise. Wir haben die Dimensionen Australiens kennengelernt, haben oft grenzenlose Freiheit erlebt und sind dafür auch an unsere Grenzen gegangen. 5200 km entsprechen etwa der Strecke vom Nordkap bis nach Malaga in Südspanien, nur das in Australien im Gegensatz dazwischen wenig bis nichts ist. Große Landschaftsstriche sind einfach nur Wüste, einsamste Flecken Erde die man Europa nur schwer bis gar nicht mehr finden kann. Die Einsamkeit, das Nichts, die Monotonie, die Ruhe, die Wildnis und die verbundenen Abenteuer waren unsere Motivation die Route so zu setzen. Wir haben es an keinen einzigen Tag bereut, war es auch noch so hart.
Satt an Australien wurden wir auf den letzten 1000 km aber trotzdem. Dies lag weniger an den kaum abwechslungsreichen Landschaften und Tagen, sondern mehr an unserer gewonnenen Routine und Souveränität mit den Distanzen umzugehen. Es wühlte uns schon lange nicht mehr auf, wenn wir auf der Karte den nächsten Supermarkt in 500 und mehr Kilometer Entfernung ausmachten. Das Abenteuer-Gefühl war nicht mehr so stark, subjektiv wie auch objektiv. Je weiter wir in den Norden Australiens kamen desto einfacher wurde es für uns, z.B. weil Wasser aus dem Hahn trinkbar(er) wurde, die Besiedlung zunahm und damit auch die Distanzen kleiner. Dafür kam mit den Tropen mehr und mehr die Hitze zurück, was einer Tierart, die wohl die Einzige ist wovon man in Australien wirklich größten Respekt haben sollte, besonders gut gefällt: Salzwasserkrokodile mit dem verniedlichenden Kosenamen „Salti“, die größte Krokodilart der Welt.
Wie geplant erreichten wir die tropischen Breiten vor Darwin nach der Regensaison. Da wir noch einige Tage Puffer hatten entschieden wir uns noch für einen Abstecher in den Litchfield Nationalpark zu unternehmen. Nach 1500 km war dies die erste Abzweigung, die uns weg vom Stuart Highway führte. Die Straße durch den Nationalpark war kurvig und hügelig wie Neuseeland, unsere Beine jaulten nicht schlecht, gefühlt haben wir sämtliche Kraftmuskeln verloren und nur noch Ausdauermuskeln in den letzten Wochen gebraucht. Einige Male führt die Straße nur knapp über den dunklen Flussbetten, die noch von der kürzlich beendeten Regensaison mit Wasser gefüllt waren. Garniert mit Krokodil-Warnschilder bekamen wir dann doch ein mulmiges Gefühl – was ist, wenn hier ein Salti seit Wochen auf knackige Radlwadln wartet? Gesehen haben wir natürlich keines der bis zu 8m großen Tiere, auf dessen Speisekarte immer wieder auch Menschen stehen.
Seit vielen Wochen hatten wir kein fließendes Wasser mehr gesehen, im Lichtfield Park war es dann soweit in Form von den Wasserfällen „Wangi Falls“. Das große Becken des Wasserfalles wird von Rangern bzgl. Krokodilen überprüft, und ist daher eine ziemliche Touristenattraktion. Etwas suspekt war uns das Baden aber am Anfang trotzdem, auch weil das Wasser bzw. der Untergrund sehr dunkel bis schwarz ist. Am Abend trafen wir ein weiteres australisches Paar, die schon viele richtig große Touren auf vielen Kontinenten unternommen hatten – da geht so schnell das Gesprächsthema nicht aus und macht direkt Lust auf mehr.
Am nächsten Tag fuhren wir eine rund 25 km lange Piste, um nicht die ganze Strecke aus dem Nationalpark zweimal fahren zu müssen. Wir hatten schon fast vergessen wie sich Schotter und Wellblech anfühlt, wurden dann aber sehr schnell an eines unserer Highlights in Australien erinnert: Die knapp 700 km Schotterpiste auf dem Oodnadatta Track. Nun hatte es hier aber deutlich über 30 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit, was zur Folge hatte, dass wir nur so dahin schmolzen. Für uns unvorstellbar wie das hier im Sommer sein muss, bei generell mehr als 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 80% im Mittel (!). Da hat es sich mal wieder bewährt, dass unserer Routen generell durch die lokalen klimatischen Bedingungen geprägt wurden.
Einige Tage chillten wir noch einen Fahrtag entfernt von Darwin auf dem super schönen Campingplatz „Tumbling Water“, auch deswegen weil Darwin extrem teuer ist und es keinen zentralen Campingplatz gibt. Hier trafen wir auch wieder Nicole und Uwe (www.karifa.de) wieder, und wir verbrachten wieder unterhaltsame Stunden.
In Darwin konnten wir bei Jake und seiner Familie unterkommen. Mit unserer deutschen Kultur im Background bekamen wir fast ein schlechtes Gewissen wegen der überwältigenden Gastfreundschaft. Wir hatten Jake nur einen Abend in Neuseeland kennengelernt, angefühlt hat es sich anders. So gingen alle tagsüber zum Arbeiten und wir bekamen wie selbstverständlich den Haustürschlüssel und konnten uns wie zu Hause fühlen. Nach den üblichen Flugvorbereitungen (Fahrradkarton etc.) gab es abends dann lecker BBQ und am nächsten Abend sogar einen Shuttle zum Flughafen – einfacher, entspannter und von Freundlichkeit sehr geprägten Stunden konnte unserer Zeit in Australien nicht zu Ende gehen. Generell haben wir ein überaus gastfreundschaftliches Land kennengelernt, die Krönung war auf einem Rastplatz, wo wir mit Dosenbier, Weißwein und Känguru-Burger versorgt wurden – einfach so, weil sie uns nett und spannend fanden.

Wir sind trotzdem froh die feuchte Hitze bald hinter uns zu lassen, auch wenn wir in Alaska vermutlich erstmal gnadenlos frieren werden. Wir sind nun ein halbes Jahr unterwegs, sind über 8500 km in den letzten sechs Monaten gefahren, was uns total verrückt vorkommt. Dies wäre immerhin die Strecke von Deutschland nach Zentralchina von den Kilometern her gewesen, und dabei haben wir gerade mal zwei Länder gesehen. Jetzt wartet Nordamerika auf uns, mit auch nur zwei Ländern (USA und Kanada) auf den nächsten 7000 km, aber mit sicher deutlich mehr Abwechslung.

By the way: Auch wenn man solch eine Reise nicht in Zahlen fassen kann, hier einige Statistiken vom ersten halben Jahr: Statistiken

Ein Kommentar zu “Australien – ab durch die Mitte in 5200 km

  1. Werner und Maria

    Hallo ihr Zwei,
    haben endlich mal wieder vernünftiges Interent und können euren Blog anschauen.
    Toll was ihr da alles erfahren habt, im doppelten Sinne des Wortes 🙂 Da ziehen wir den Hut vor dieser sportlichen Leistung! Für eure weitere Reise viel Spaß und immer rollende Räder 🙂 und geht den wilden Tieren aus dem Weg 🙂
    Wir freuen uns schon auf weitere tolle Berichte und super Fotos! Wer ist eigentlich der Fotograf und Autor von euch Beiden?
    VG Werner und Maria

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